Ursula im Sonntags-Express

11.02.2006

EHRGEIZIGES PROJEKT

Der Kölner Künstler Walter Bruno Brix sammelt Taschentücher von Frauen aus aller Welt.

Kölner sucht 11.000 Jungfrauen

von CORINNA SCHULZ

Köln – Heilige Ursula – sie ist die Stadtpatronin Kölns, eine der beliebtesten Heiligen weltweit.

Bis heute ranken sich Mythen und Legenden um ihren grausamen Tod – von den Hunnen vor den Toren Kölns niedergemetzelt, zusammen mit 11.000 Jungfrauen, 450 nach Christus. Jetzt will ein Kölner die Legende wahr werden lassen – mit 11.000 Jungfrauen.

„Der Mythos der Königstochter, die auf grausame Weise umgebracht wurde, fasziniert mich schon seit vielen Jahren“, sagt Walter Bruno Brix (40), der Künstler und Kurator ist (arbeitet u.a. im Museum für ostasiatische Kunst). Er nutzt Kontakte in die ganze Welt und wirbt im Internet, in Museen und Galerien für das Projekt „11.000“.

Jede Frau, die er für seinen Plan gewinnt, schickt dem Künstler ein signiertes Stofftaschentuch. Rund 600 Tücher hat Brix schon aus Deutschland, Japan, China, Frankreich, Russland und Spanien geschickt bekommen.

Eine der Jungfrauen, die ein Tuch stifteten, ist Michiko Meid. Die gebürtige Japanerin, die mittlerweile in Köln lebt, ist von dem Projekt begeistert: „Frauen aus der ganzen Welt nehmen teil! Irgendwann sind wir dann 11.000 für die Heilige Ursula“.

Mit der Jungfräulichkeit nimmt es Brix bei seinem Projekt allerdings nicht so genau. „Das ist nicht wirklich wichtig“, so Brix. „Auch wenn sicher die ein oder andere Jungfrau dabei ist“. Auch Alter und Herkunft spielen keine Rolle. Die dramatische Ursula-Story: Der Legende nach soll die schöne Tochter des Königs der Bretagne auf einer Pilgerfahrt mit ihren Begleiterinnen nach Köln gekommen sein. Die frommen Christinnen fielen in die Hände der Hunnen und wurden brutal niedergemetzelt.

Aber ihr Einsatz bewirkte die Wende: Denn vom schlechten Gewissen geplagt soll Hunnenkönig Attila daraufhin die Belagerung Kölns aufgegeben haben.

Die große Stofftuch-Kollektion zu Ehren des Ursula-Heeres soll übrigens gestiftet werden – wünscht sich Künstler Brix: „Wenn ich die 11.000 zusammen habe, möchte ich die Tücher in elf Truhen der Kirche St. Ursula übergeben.“

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