Berchtesgaden

3. September 2011

Eine weitere Post von Frau D. aus Berchtesgaden, diesmal mit 12 Tüchern. Alle liebevoll, gekonnt professionell und schön bestickt. Und es ist gar nicht viel Zeit vergangen, seit Juli, Frau D. ist also fleißig gewesen.

Die Gesamtzahl steigt damit auf 5572 Stück.

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In Ihrem Brief fragt sie danach, ob ich ihr ein Museum empfehlen kann, in das sie sehr schöne, umhäkelte Taschentücher geben könnte.

Nun, das wird eher schwierig. Es gibt unglaublich viele umhäkelte Taschentücher. Man kann sich kaum vorstellen, wieviele Frauen das früher konnten und wie schön die Spitzen teilweise sind. In der Sammlung der Elftausend sind beispielsweise welche dabei, da ist das Tuch nur ganz klein und die Spitze ist größer und breiter als das kleine Tüchlein in der Mitte. Weil es so unendlich viele umhäkelte Taschentücher gibt und auch viele davon schön bewahrt wurden, sind die Sammlungen der meisten Museen reich damit bestückt. Es wird also schwierig sein, ein Museum zu finden, das umhäkelte Taschentücher nimmt (außer sie sind von berühmten Persönlichkeiten benutzt oder umhäkelt).

Außerdem schreibt sie, dass die zu schade wären, um bestickt zu werden. Das find ich nicht, grad im Gegenteil, das wär doch genau die richtige Ergänzung. Umhäkelt und dann noch so schön bestickt!

Wenn man die Tücher aber unbedingt in ein Museum geben will, dann sollte man am besten bei einem Museum in seiner Nähe einfach mal nachfragen. Entweder haben die dort direkt Interesse, oder man kann fragen, ob sie dort eine Sammlung kennen, die solche Tücher aufnimmt. Aber wie gesagt, ich halte die Chancen für eher gering.

Außerdem habe ich von Frau D. Fotos bekommen von dem Gewand, das der Grund ist, warum sie überhaupt professionelle Stickerin geworden ist.  Da es sicherlich für viele Leute interessant ist, hier die Fotos.

Frau D. fragt, ob ich solche Gewänder kenne, ob es ein japanischer Kimono ist.

Es ist ein interessantes Gewand, vermutlich in den 1920er Jahren in Japan entstanden. In der Form dem Kimono ähnlich, aber für den Export. Also nicht für eine japanische Kundschaft, sondern für Ausländer. Solche Gewänder wurden als Schlafrock oder Morgenrock von Besuchern in Japan erworben.

Die Stickerei ist unterschiedlich von der japanischen. Es sind gedrehte Seidenfäden verwendet (nicht ungedrehte, wie in der japanischen Tradition) und oft viel Gold (wie hier). Die meisten Partien sind stark unterlegt und sehr plastisch gestickt. Diese Art der Stickerei entwickelte sich erst im 19. Jahrhundert, bzw. wurde eher für Theaterkostüme (Kabuki-Theater) verwendet. Es ist eine kräftige Stickerei, die vor allem auf die Fernwirkung hin konzipiert ist.

Die Motive sind dem japanischen Formenkanon entnommen, aber ohne jeden Zusammenhang, manchmal verstümmelt oder unrichtig interpretiert. Bei der Klientel, für die diese Roben gefertigt wurden, zählte nur der exotische Eindruck und nicht die ikonographische Richtigkeit, die nur ein eingeweihtes Publikum hätte verstehen können.

Interessant ist, wo heute solche Roben aufbewahrt werden. Oft sind es Erbstücke in Familien, die von einem Vorfahren von einer Ostasien-Reise mitgebracht wurden.

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